Jahr: 2025
Projekttyp: Inneneinrichtung
Standort: Vrgorac
Das Projekt der Verkostungsräume in Vrgorac wurde als abschließende, wesentliche Ebene des Destillerieerlebnisses entwickelt – ein Raum, in dem sich das Produkt in ein Erlebnis verwandelt. Während das Erdgeschoss die rohe Logik der Produktion und die industrielle Ästhetik von glattem Beton bewahrt, bildet das Obergeschoss einen Kontrapunkt: weicher, wärmer und sinnlich reichhaltiger.
Das Bewegungskonzept ist klar definiert – der Besucher durchläuft zunächst den „Erlebnisraum“, taucht durch Projektionen, Düfte und Dampf in die Atmosphäre ein, betritt anschließend den Produktionsbereich und steigt schließlich in die Verkostungsebene hinauf. Dieser Aufstieg ist nicht nur physisch, sondern auch narrativ – vom Prozess zum Genuss.
Die Verkostung ist als flexibler, transformierbarer Raum konzipiert, der auf unterschiedliche Nutzungsszenarien reagiert. Tagsüber funktioniert er als Ort für Brunch und entspanntes Beisammensein, wandelt sich anschließend in eine edukative Umgebung für Workshops und wird am Abend zu einer intimen Bühne für Fine Dining oder lebendige Cocktailabende. Aus diesem Grund gibt es im Raum keine fixen Organisationspunkte außer der zentralen Bar – alles andere ist modular, beweglich und visuell in das Gesamtkonzept integriert.

Die Bar wird zum Herz des Raumes – funktionales und szenografisches Zentrum, um das sich die Interaktion entfaltet. Inspiriert von der Logik klassischer Bars, jedoch in einer zeitgenössischen industriellen Sprache interpretiert, ist sie durch warme Metalltöne, insbesondere Kupfer, definiert, das sich als zentrales Motiv durch den gesamten Innenraum zieht. Darüber schwebt eine leichte, kreisförmige Lichtkonstruktion – ein Element, das den Destillationsprozess, Dampf und kontinuierliche Zirkulation evoziert und dem Raum eine prägnante Identität verleiht.
Durch die Öffnung der Verkostung zum Landschaftsraum – durch das Entfernen der Glasfassaden – erweitert sich der Raum nach außen. Die Lounge-Terrasse wird zur Verlängerung des Innenraums, während die Aussicht die Rolle der Szenografie übernimmt. Die Grenze zwischen Innen und Außen löst sich auf, wodurch das Erlebnis vollständiger und entspannter wird.

Beton und industrielle Elemente des Erdgeschosses werden durch wärmere Materialien neu interpretiert – Holz, Textilien und Details in Kupfer. Dunklere Farbtöne und eine kontrollierte Beleuchtung schaffen eine intime, „cozy“ Atmosphäre, während lineare und akzentuierende Lichtquellen räumliche Achsen und zentrale Punkte betonen.
Die konzeptionelle Ebene des Projekts basiert auf der Verbindung von lokalem Kontext und zeitgenössischem Ausdruck – Vrgorac, die Landschaft, die Poesie von Tin Ujević sowie die Idee des Schaffens sind subtil in den Raum eingewoben, ohne wörtliche Übersetzungen, sondern durch Atmosphäre, Materialien und Rhythmus.
Die Verkostung wird so zu mehr als einem Ort des Konsums – sie wird zu einem Raum der Interpretation, der Begegnung und des Erlebens, in dem das Produkt nicht nur verkostet, sondern verstanden und erinnert wird.
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